Der „Papageno-Effekt“: Berichterstattung über Suizide

Immer noch scheuen sich Journalistinnen und Journalisten über Suizide zu berichten. Sie haben Angst vor Nachahmung, vor dem sogenannten „Werther-Effekt“. Studien der MedUni Wien zeigen allerdings, dass eine entsprechende Berichterstattung über Suizide sogar den gegenteiligen Effekt hervorruft: den „Papageno-Effekt“.

Durch die Berücksichtigung der vom Kriseninterventionszentrum Wien erarbeiteten “Empfehlungen zur Suizidberichterstattung” kann von Journalistinnen und Journalisten ein Beitrag zur Prävention geleistet werden. Im Jahr 2019 nahmen sich in Österreich 1.113 Personen das Leben. Das sind fast dreimal so viele wie im Straßenverkehr umgekommen sind. Ausgehend von Studien zu psychischen Krisen in Zeiten von Covid-19 wird eine Zunahme als Folge der Pandemie befürchtet.

Referent/in:

Priv.-Doz. Dr. Martin Plöderl, Golli Marboe

Datum:

1.12.2022

Ort:

Presseclub Salzburg

Lernen Sie in diesem Seminar:

  • Wie Sie über Suizide berichten, ohne die Würde der Verstorbenen zu verletzen.
  • Wie Sie nicht nur den Tag des Todes, sondern die Biographie der Betroffenen beleuchten können.
  • Wie Sie in sozialen Netzen mit Suiziden umgehen sollen.
  • Wie Sie bei der Berichterstattung die Hinterbliebenen im Kopf haben müssen.
  • Welche Bilder vom Geschehen Sie drehen oder als Fotos bei derartigen Berichten verwenden dürfen.
  • Warum die Berichterstattung zu psychischer Gesundheit und über Suizide kein Tabu sein darf und wie Sie damit sogar Präventionsarbeit leisten können.

Das Seminar richtet sich an:

  • Journalistinnen und Journalisten aller Ressorts und Mediengattungen, denn Suizide kommen in allen Milieus vor.
  • Ressortleiterinnen und Ressortleiter sowie Chefredakteurinnen und Chefredakteure, die Sensibilität in der Suizidberichterstattung aufbauen wollen.
  • Alle, die sich (insbesondere online) im Diskurs mit der jeweiligen Community befinden.
  • Pädagoginnen und Pädagogen.

So läuft das Seminar ab:

  • Im Workshop werden Fakten zum Thema Suizid und die Bedeutung der Medien in der Suizidprävention vorgestellt.
  • Herr Dr. Plöderl diskutiert anhand von wissenschaftlichen Untersuchungen und Fallbeispielen günstige und ungünstige Effekte bei der Medienberichterstattung.
  • Golli Marboe (Journalist und selbst Hinterbliebener) berichtet von seinen eigenen Erfahrungen.
  • Sein Vortrag besteht einerseits aus Videos zum Thema, und andererseits aus positiven, wie negativen Beispielen zur Suizidberichterstattung.
  • Dazu gibt es die Möglichkeit zu Fragen und für einen Gedankenaustausch zum Thema.

Datum

1.12.2022

Uhrzeit

14 bis 18 Uhr

Anmeldeschluss

16.11.2022

Teilnahmegebühr

kostenlos

Referent/in

Priv.-Doz. Dr. Martin Plöderl ist klinischer Psychologe und Psychotherapeut mit dem Schwerpunkt Suizidprävention in Forschung, Lehre, und Praxis am Uniklinikum Salzburg.

Golli Marboe (geboren 1965 in Wien) ist Vater von vier Kindern. Er arbeitet als freier Journalist, gestaltet den täglichen Podcast „365 Über Medien Reden“, hält Vorträge zu Medienfragen, verantwortete dreißig Jahre TV-Filme und Dokumentationen für Sender in ganz Europa, unterrichtet an diversen Hochschulen, ist Gründer und Obmann des „Vereins zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien“ (vsum.tv) sowie Mitglied in der Koordinierungsstelle des Gesundheitsministeriums für Suizidprävention SUPRA. 2021 im Residenzverlag erschienen: „Notizen an Tobias“.

Information

Kooperation:
Dieses Seminar findet in Kooperation mit der SUPRA Salzburg statt und wird vom Land Salzburg gefördert.

Logo Land Salzburg

Vorbereitung auf den Workshop:
Keine Vorbereitung notwendig.

Für Rückfragen:
Steht Ihnen gerne Matthias Führer unter matthias.fuehrer@oema.at oder +43-664-4282591 zur Verfügung.